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Fotos: www.militarytraining.de


Ich berichte über meinen Seminarbesuch vom 24.04.-26.04. in Danzig (PL), veranstaltet vom „Military Training Hamburg“.

Wir sind mit dem Fahrzeug in Hamburg gegen 06:00 Uhr gestartet und sind über die A11 bei Berlin bis nach Stettin über die Grenze gefahren. Nach einigen Pausen sind wir ca. 15:15 Uhr in Danzig / (Gdansk) angekommen. Die Fahrt lief erstaunlich gut. In Polen sind wir meist auf den typischen Schnellstraßen ohne Maut gefahren.

Das Tempolimit beträgt hier immer 90 oder 120. Dennoch kommt man sehr gut voran. Jedoch sollte man sich gerade an den Ortschaften  unbedingt an das Limit halten. Fast in jeder Ortschaft steht ein Blitzer. Diese sind aber anders als in Deutschland ausgeschildert und orange oder gelb lackiert. Versteckte Blitzer sind verboten. Die Polizei ist aber generell sehr präsent und ein Beweisfoto würde heutzutage in Deutschland auch vollstreckt 😉

 

Landschaft

Einfach unglaublich was auf diesem Schießplatz möglich ist. Ein riesiger See lädt zum Baden und Bootfahren ein. Auch Tauchen ist hier möglich. Die Stadt Danzig bietet viele Einkaufsmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und mehr. Leider war dafür die Zeit eher zu knapp. Man sollte das Seminar ggf. mit einem kleinen Urlaub verbinden.

 

Unterkunft

Auf dem Schießplatz angekommen, haben wir direkt ein Zimmer, in einer Art sehr großen Bungalow, bezogen. Als Soldat oder vielleicht Pfadfinder fühlt man sich sofort heimisch, wie in einem Ferienlager. Das Haus hatte Heizung, warmes Wasser, Dusche und alles was man benötigt. Mein Schlafsack war überflüssig, die Bettwäsche lag direkt auf dem Bett. Es gibt aber auch verschiedenere Kategorien. Ein kleiner Bungalow z.B. für die mitgebrachte Familie wäre noch möglich gewesen oder sogar ein größeres Haus mit einer Ausstattung gehobenen Standards. Wir haben ausgepackt und direkt unsere mitgebrachte Ausrüstung angelegt. Man kann aber auch Ausrüstung leihen. Zum Beispiel war mein eigenes Tiefziehholster für die Waffen dort nicht ausgelegt. Ich hab dann vor Ort ein neues bekommen.

 

Tag 1

Nach den Beziehen der Zimmer gab es eine Einweisung in die Sicherheitsstandards auf dem Platz. Hier musste ich überrascht feststellen das trotz „Privatveranstaltung“ doch alles sehr professionell ist. Ähnlich wie im Militär, ggf. auch ab und zu etwas lockerer. Unsere Gruppe bestand aus ca. 17 Teilnehmern zzgl. 3 Instruktoren. Der Hintergrund der Leute hat mich doch etwas überrascht. Einige waren aus Spezialeinheiten des Militär und Polizei, aber es gab aber auch normale Polizei-, JVA Beamte oder auch Securitypersonal. Was ich sehr interessant fand, es gab auch einige junge Privatleute. In Polen dürfen auch zivile Personen an solchen Schulungen teilnehmen. Diese haben dort aber bereits die Basis Stufe 1 und 2 der Ausbildung durchlaufen. Unser Kurs war schon Stufe 3. Dies wäre z.B. in Deutschland überhaupt nicht möglich und stellt sicherlich eine Marklücke da.

Wir haben ca. 18 Uhr mit dem Training angefangen. Zunächst wurden Low Light Tactics gezeigt, also das halten einer Taschenlampe beim Schießen oder das Irritieren des Gegners mit einer Lampe. Dies wurde auch direkt an einem Gebäude trocken trainiert. Weiterhin wurden die Waffen vorgestellt und zerlegt und die Ladetätigkeiten noch an einem Tisch ohne Stress geübt. Anschließend haben wir Positionen, Anschlagsarten und das schnelle ziehen und Laden der Waffen trainiert. Unter anderem wurde eine israelische Technik vorgestellt, die ich bis dahin auch noch nicht kannte. Kurz danach wurde das Schießen aus der Bewegung und der schnelle Magazinwechsel geübt. Wir wurden die ganze Zeit von einer Fotografin begleitet die wirklich viele Filme und Fotos gemacht hat. Ich bin gespannt auf die Aufnahmen.

Mittlerweile war es schon dunkel und wir haben den Platz zum Schießen vorbereitet. Wir haben dann das Nachtschießen mit den gezeigten Techniken durchgeführt. Verschiedene Haltungen der Taschenlampe im scharfen Schuss war der Schwerpunkt. Jeder konnte dann die wohl für ihn beste Technik herausfinden. Auch die Haltung der Lampe zum irritieren des Feindes unter gleichzeitiger Schussabgabe wurde durchgeführt. Die Schießergebnisse der Leute waren bunt gemischt. Die Profis waren natürlich schnell erkennbar.

Wir haben dann zurückgerüstet und den Tag mit gemeinsamen Grillen am Lagerfeuer und ein paar netten alkoholischen Getränken beendet. Es wurde viel gelacht und als deutscher Teilnehmer wurde man natürlich auch mal auf die Schippe genommen und musste diverse polnische Spezialitäten probieren. Trotz meiner anfänglichen Skepsis wurde ich aber sehr gut aufgenommen und in die Gruppe integriert. Alles super nette Leute.

 

Tag 2

Am Samstag haben wir uns morgens in der Stadt Frühstück organisiert. Dabei war ich in einer sehr traditionellen und guten Bäckerei. Diese kalorienreichen Köstlichkeiten waren einfach gefährlich. Die meisten polnischen Teilnehmer hatten aber Brot und Knackwurst mit. Am Sonntag haben wir uns auch entsprechend dort bedient. Das Training ging mit leichen Kater (komisch) um 09 Uhr weiter. Wir haben nun die taktische Annäherung in einer Gruppe an ein Gebäude geübt. Es mussten alle Positionen in dieser Gruppe beherrscht werden, so, dass jederzeit das Feuer gegen auftretende Gegner eröffnet werden kann. Im Anschluss wurden Türöffnungsverfahren gezeigt. Der Schwerpunkt war dann das Eindringen in Gebäude und das Bewegen darin von Raum zu Raum unter „Polizeitaktik“. Als dies beherrscht wurde sind wir in zwei Mann Teams aufgeteilt wurden. Ich durfte als erstes mit meinem Buddy in ein Gebäude rein. Hier war ein Szenario für uns vorbereitet.   Es wurde sofort das Feuer eröffnet und wir mussten lagebedingt handeln. Entweder man bekämpft halt den Feind oder stellt ihn. Dabei hatten wir gute und auch negative Versuche. Im Anschluss wurde immer direkt ausgewertet und meistens wurde auch direkt mitgefilmt. Das spannende war, jedes Team hatte immer andere Lagen. Man konnte einfach auf nichts vorbereitet sein. Alles war jederzeit möglich. Wir im Einsatz halt auch.

Parallel zu dem Szenariotraining wurde Erste Hilfe nach dem Tactical Combat Casualty Care (TCCC)® (Verwundeten Versorgung im Gefecht) ausgebildet. Hier schulte uns ein polnischer Kampfschwimmer als einsatzerfahrener Angehöriger einer Eliteeinheit. Da ich auch jährlich ähnliche Schulungen bekomme, kannte ich einiges. Ich habe auch einige neue Sachen mitgenommen.

Nach dem Mittag ging es dann wieder auf die Schießbahn. Hier haben wir das Schießen und Laden unter Stress durchgeführt & Buddy-Team-Schießen. Das gelernte taktische Vorgehen im Gebäude vom Vormittag, wurde direkt im scharfen Schuss in einem Killing-House geübt. Absolut klasse. In Deutschland ist das so wie in Polen durchgeführt, wohl nur für das Militär und die SEK’s möglich. Die polnischen Ausbilder waren auch sehr kreativ. Das zusammengezimmerte Killing House konnte schnell umgebaut werden. Der Tag ging dann auch wieder bis ca. 22 Uhr und wir ließen ihn mit polnischer Suppe, Grillfleisch und einigen hochprozentigen Getränken ausklingen.

 

Tag 3

Hier starteten wir nach der morgendlichen Knackwurst + Brot auch wieder gegen 09 Uhr. Begonnen wurde mit Lagen im TCCC. Es mussten „verwundete“ Kameraden geborgen werden und das Feuer musste aufrecht erhalten werden. Der Ausbilder stellte auch viele Kontrollfragen. Anschließend ging es wieder auf die Schießbahn. Nun stand das Schießen aus der Gruppe im Vordergrund. Das Killing House wurde umgebaut und es gab eine Einweisung in die ShotGun, die wir als primäre Schwerpunktwaffe und Door Opener einsetzen. Die Schießleistungen waren am Tag 3 erstaunlich gut. Wir erweiterten das Gruppenschießen mit Magazinwechseln, schießen unter Nebel und zum Schluss unter Gas. Der krönende Abschluss war dann die Zerlegung des Killinghouse mit der ShotGun 😉 Gegen 14 Uhr haben mein Kollege und ich uns auf den Rückweg gemacht. Die Leute aus Polen waren aber wohl noch bis 17 Uhr am Schießen und anschließend am Aufräumen. Die Abreise lief dann über Stettin, Neubrandenburg, (A20) Stralsund und Hamburg. Hier kommt man deutlich besser durch.

 

Kosten

Vergleichbare Seminare in Israel sind überzogen und kosten teilweise mehrere Tausend Euro. Das was hier bei unseren Nachbarn für wenige hundert EUR in Polen möglich ist, das ist einfach der Hammer. Und man muss nicht ewig weit fliegen. Wenn man sich zusammentut wird die Anreise auch günstiger und man kann sich auf der Fahrt ablösen.

 

Sprache

Da ich der einzige nicht polnisch sprechende war, wurde das Seminar auf Polnisch durchgeführt. Die Ausbilder übersetzen aber in Englisch. Einige polnisch & deutsch sprechende Teilnehmer übersetzen für mich aber auch häufig ins deutsche. Vieles kann man aber auch eh durch Anschauen aufnehmen. Wenn ich was nicht verstanden habe, wurde gezielt nachgefragt.

 

Fazit

Ein gelungenes aber durch die lange An- und Abreise auch anstrengendes Seminar. Nächstes Mal werden wir wohl 1-2 Tage mehr einplanen. Im September ist das nächste Seminar geplant. Für unerfahrene Teilnehmer empfiehlt sich aber, vorher nachzufragen ob die Teilnahme möglich ist. Dieses Seminar war für Fortgeschrittene aus Militär und Polizei oder TN die bereits Modul 1-2 besucht hatten.

 

Michael, mgo – Selbstschutztraining Hamburg, www.gegenwehr.com